Unterstützung in der Engineering-Phase für die Produktion – was sind die Vor- und Nachteile?
In vielen Entwicklungsprozessen beginnt die Zusammenarbeit erst, wenn der Entwurf fertiggestellt ist. Die Zeichnung steht fest, die Spezifikationen sind festgelegt und es stellt sich die Frage, ob das Produkt hergestellt werden kann. Doch gerade in dieser Phase kommt es häufig zu Reibungen zwischen Entwurf und Praxis.
Aus einem Interview mit Erik, dem stellvertretenden Vorarbeiter bei Pillen, geht hervor, dass ein Großteil der gelieferten Zeichnungen Fragen aufwirft. Denn diese berücksichtigen die Herstellbarkeit, die Kosten oder die Serienstabilität nicht ausreichend. Das wirft eine umfassendere Frage auf: Was bringt es und was kostet es, wenn ein Fertigungsunternehmen bereits in der Entwurfs- und Konstruktionsphase einbezogen wird?
Die Praxis hinter der Zeichnung
Entwürfe werden immer detaillierter und technischer. Gleichzeitig verschiebt sich das praktische Fertigungswissen immer weiter aus dem Entwurfsprozess heraus. Ingenieure arbeiten mit Modellen, Toleranzen und Simulationen, während die Umsetzung in Maschinen, Spannvorrichtungen und Messmethoden erst später erfolgt.
In der Produktion kommen diese Welten zusammen. Dann stellt sich heraus, dass ein Entwurf zwar technisch realisierbar ist, aber nur mit komplexen Bearbeitungen, teuren Materialien oder einer hohen Fehleranfälligkeit. Insbesondere bei Serienfertigungen kann dies erhebliche Auswirkungen auf die Kosten und die Durchlaufzeit haben.

Laut Erik ist dies genau der Moment, in dem ein Lieferant einen Mehrwert schaffen kann, indem er das Design an der Realität der Produktion misst. Denn es ist notwendig, genau zu definieren, was funktional erforderlich ist und wo Spielraum besteht.
„Wenn man frühzeitig mitdenkt, kann man Wünsche und Ideen mit dem verbinden, was in der Praxis wirklich notwendig ist, um ein Produkt gut und bezahlbar zu machen.“
Die Vorteile einer frühzeitigen Einbindung
Der größte Vorteil einer Unterstützung in der Konstruktionsphase besteht darin, dass die Herstellbarkeit Teil des Denkprozesses wird. Ein Fertigungsunternehmen bringt sein Wissen über Materialverhalten, Bearbeitungsreihenfolge, Toleranzen und Messstrategien ein. Dieses Wissen hilft dabei, bewusste Entscheidungen zu treffen.
Das kann bedeuten, dass Anforderungen angepasst werden, aber auch, dass alternative Produktionsmethoden in Betracht gezogen werden. So kann sich beispielsweise ein Entwurf, der ursprünglich aus massivem Material gefräst wird, für die Extrusion oder eine andere Vorform eignen. Die Funktionalität bleibt gleich, während die Produktionszeit und der Materialverlust stark reduziert werden.
Obwohl dies im Vorfeld eine zusätzliche Abstimmung erfordert, verhindert es oft spätere Anpassungen, Produktionsstillstände oder kostspielige Neukonstruktionen. Langfristig führt dies zu Zeitersparnis und Kosteneinsparungen.
Die Kehrseite: zusätzliche Komplexität und Abhängigkeit
Gleichzeitig hat diese Art der Zusammenarbeit auch Nachteile. Die Einbeziehung einer externen Partei in einem frühen Stadium erfordert Offenheit und Vertrauen. Designentscheidungen stehen manchmal noch nicht fest und müssen geteilt werden, bevor sie endgültig sind. Darüber hinaus kann der technische Input aus der Produktion für Designer komplex sein. Fertigungsunternehmen denken in Maschinen, Messgeräten und Spannvorrichtungen. Diese Denkweise passt nicht immer nahtlos zur Welt des Designs, was zu Missverständnissen führen kann, wenn die Kommunikation unzureichend ist.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass Fertigungsunternehmen unbewusst von ihrem eigenen Maschinenpark oder ihren festen Materialentscheidungen ausgehen können. Daher ist es wichtig, einen Partner mit umfassender Erfahrung zu wählen, der in der Lage ist, unabhängig zu beraten.
Die Bedeutung von Struktur und Transparenz
Um diese Risiken zu begrenzen, ist Struktur unerlässlich. Klare Vereinbarungen, festgelegte Entscheidungen und transparente Kommunikation helfen dabei, Erwartungen zu steuern. In der Praxis geschieht dies beispielsweise durch die Arbeit nach ISO-Normen und durch multidisziplinäre Besprechungen, in denen Produktion, Arbeitsvorbereitung und Messung zusammenkommen.
Auch die direkte Kommunikation spielt eine wichtige Rolle. Kurze Wege zwischen Technik und Produktion sorgen dafür, dass Fragen schnell beantwortet und Annahmen rechtzeitig besprochen werden. Das kann digital geschehen, aber auch, indem man sich vor Ort trifft und den Prozess gemeinsam betrachtet.
Balance zwischen Gestaltungsfreiheit und Machbarkeit
Die Unterstützung bei Design und Konstruktion bedeutet nicht, dass die Gestaltungsfreiheit verloren geht. Es bedeutet jedoch, dass Entscheidungen bewusster getroffen werden. Was ist für die Funktion des Produkts wirklich notwendig? Und was ist vor allem Sicherheit oder Gewohnheit?
Indem diese Fragen frühzeitig gestellt werden, entsteht ein Design, das nicht nur technisch korrekt, sondern auch robust, reproduzierbar und wirtschaftlich realisierbar ist. Das erfordert zwar Anstrengungen von beiden Seiten, verhindert aber viele Probleme im weiteren Verlauf des Projekts.

Die Erfahrung aus der Praxis zeigt, dass Fertigungsunternehmen dadurch vom Lieferanten zum Partner aufsteigen können. Nicht indem sie das Design übernehmen, sondern indem sie es mit Wissen aus der Produktionsumgebung ergänzen.
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